Fall Frum Grace, Miss Pipi's Blue Tale
- Jahr 2011
- Auflage Edition 3/5
- Material/Technik 1-Kanal-Videoinstallation (Farbe, Ton)
- Laufzeit 17'
- Gattung Medienkunst
Die afroamerikanische Künstlerin Kara Walker ist durch ihre panoramaartigen Schattenrisse bekannt geworden, in denen sie Rassismus, Sexismus und Gewalt thematisiert. Dabei stehen das an biedermeierliche Scherenschnitte erinnernde Sujet und die drastische Darstellung in einem krassen Gegensatz zueinander. Walker erzählt in ihren Werken die Geschichte der Sklaverei in den USA und von ihren gesellschaftlichen Folgen. „Die Form ist aber auch eine Art Falle“, berichtet Kara Walker in einem Interview: „Die Leute sehen hin, einfach weil es nett aussieht und Vergnügen macht. Und dann, vielleicht, wird dieses oder jenes plötzlich weniger vergnüglich…“. In ihren Filmen erweckt sie die Figuren im Schattenspiel zum Leben. Das 2011 entstandene Video Fall Frum Grace, Miss Pipi’s Blue Tale erzählt die Geschichte einer gelangweilten Südstaatenschönheit, die ihren Sklaven verführt. Doch das Verhältnis fliegt auf und der schwarze Mann wird durch ihren weißen Verehrer grausam mit Folter, Kastration und Hinrichtung bestraft. Der Film ist in kurzen Episoden aufgebaut, in denen sich das reale Geschehen mit fiktiven Szenen abwechselt. Darin kommt auch die Angst des weißen Mannes vor der vermeintlichen Hypersexualität der Schwarzen und seiner Anziehungskraft auf weiße Frauen zum Ausdruck. Walker erspart dem Zuschauer nicht die expliziten Darstellungen von Gewalt, lässt sie jedoch erträglicher in Form des abstrahierten Schattenspiels erscheinen. Gewalttätige Szenen wechseln sich ab mit humorvollen Kabaretteinlagen, in denen die Klischees schwarzer Identität ironisch karikiert werden. Farbige Hintergründe mit abstrakten Motiven und der begleitende Soundtrack, der von Delta Blues über 1970er Groove bis hin zu Ambient reicht, vermitteln eine surreale Atmosphäre. Dazwischen wird die Künstlerin als Schattenspielerin sichtbar, die alle Fäden der Geschichte in der Hand hält.