Vor einer mongolischen Jurte steht eine Gruppe von Menschen. Die meisten tragen traditionelle mongolische Kleidung, einige wenige sind in auffälliger europäischer Kleidung gekleidet. Die verschiedenen farbigen Gewänder machen das Bild farbenfroh. Ein kühler Blaustich über der Szene.

Johanna d'Arc of Mongolia

Ulrike Ottinger

  • Jahr 1989
  • Auflage Unlimitierte Auflage, Nr. 70
  • Material/Technik 1-Kanal-Video (Farbe, Ton)
  • Laufzeit 158'
  • Gattung Medienkunst
  • Sammlung Sammlung Goetz, Medienkunst, München

Eine hinreißend bunte und opulent ausgestattete Mischung aus Abenteuerfilm und ethnologischem Dokumentarfilm ist Ulrike Ottinger mit Johanna d’Arc of Mongolia gelungen. Er beginnt mit einer Fahrt in der transsibirischen Eisenbahn. Draußen vor dem Fenster zieht eine tiefverschneite Landschaft vorbei. Im Inneren eines Luxuswaggons sitzt die elegant gekleidete Lady Windermere, eine britische Privatgelehrte und Ethnologin, wie der Zuschauer bald erfährt. Im Laufe der Fahrt lernt sie drei weitere Damen kennen, eine deutsche Oberstudienrätin, eine amerikanische Broadway-Sängerin und die junge französische Abenteuerreisende Giovanna, die versucht, im Gepäcknetz der 3. Klasse, ein authentisches Bild von der fremden Kultur zu gewinnen. Auf Einladung von Lady Windermere darf Giovanna im eleganten Speisewagen mit ihr dinieren. Dort gesellen sich drei Herren und eine georgische Damen-Combo, die zur Unterhaltung der Gäste aufspielt, hinzu. Nach einem feuchtfröhlichen Abend trennt sich die buntgemischte Gesellschaft in Ulan-Ude und die Damen reisen in die Mongolei weiter. Auf ihrer weiteren Zugfahrt werden sie von einer Gruppe mongolischer Reiterinnen auf Geheiß einer Prinzessin gestoppt und entführt. Dabei lernen sie auch die archaischen Rituale der mongolischen Halbnomaden kennen. In großformatigen Panoramaaufnahmen folgen die Zuschauer der ungleichen Truppe durch die weite mongolische Landschaft und erleben, wie durch Respekt, Offenheit und menschliche Zuneigung interkulturelle Konflikte überwunden werden. 

„Die Mongolei ist immer schon der Ort einer besonderen Sehnsucht für mich gewesen“, berichtet Ulrike Ottinger: „Ich habe ihn nicht nur gesucht, sondern immer wieder recherchiert. Erst weit im Nordosten fand ich meinen Drehort. In einer Gegend ohne Infrastruktur, aber mit grünen Weiden und Nomaden, die noch in Jurten leben.“ Dass Ulrike Ottinger über die Malerei zum Film gekommen ist, verraten die großformatigen Panoramaaufnahmen, die so sorgsam komponiert sind wie Landschaftsgemälde. Im Strom der opulenten Bilder werden die Zuschauerinnen und Zuschauer von den beunruhigenden und berauschenden Ereignissen ebenso mitgerissen wie die ungleichen Protagonistinnen in dem Film.