In der Videoinstallation Knackered der britischen Film-Regisseurin Sam Taylor-Johnson geht es um geschlechtliche Ambivalenz. Zu sehen ist eine nahezu lebensgroß projizierte junge Frau in schonungsloser Beleuchtung. Fast unbeweglich steht sie aufrecht mit herabhängenden Armen frontal zum Betrachter. Zunächst sieht man ihr Gesicht in Nahaufnahme. Nur ihre Lippen bewegen sich wie zum Gesang. Doch nach wenigen Momenten wird deutlich, dass die Stimme, die zu hören ist, nicht von ihr stammen kann. Dabei handelt es sich vielmehr um die Aufnahme eines gregorianischen Klageliedes, das der letzte bekannte Kastrat Alessandro Moreschi (1858-1922) um die Jahrhundertwende im Vatikan gesungen hat. Durch die Verbindung eines androgynen Frauenkörpers mit der hellen Stimme eines Kastraten konstruiert Taylor-Johnson eine vieldeutige, irritierende Situation.
Knackered (Total erledigt)
- Jahr 1996
- Auflage Edition 1/3
- Material/Technik 1-Kanal-Videoprojektion (Farbe, Ton)
- Laufzeit 3' 05", Loop
- Gattung Medienkunst