Eine Frau in blauem Hemd und beiger Hose sitzt vor einem Springbrunnen. Im Vordergrund des Bildes ist der Kopf eines alten Mannes mit gelb getönter Sonnenbrille zu erkennen.

Midtown

Sarah Morris

  • Jahr 1998
  • Auflage 3/3 a.p. (+ Edition 3/3)
  • Material/Technik 1-Kanal-Videoinstallation (Farbe, Ton)
  • Laufzeit 9' 30''
  • Gattung Multimedia-Installation
  • Sammlung Sammlung Goetz, Medienkunst, München

Bunte Lichtreklamen am Time Square, Autokolonnen, die sich Stoßstange an Stoßstange durch die Straßen von Manhattan schieben, vorbei an gläsernen Hochhausfassaden, deren Fensterfronten sich zu einem geometrischen Raster verdichten. Dazwischen strömen Menschenmassen auf dem Weg zur Arbeit, zum Shopping, zum Sightseeing, kanalisiert durch den urbanen Masterplan von Manhattan, der ihnen nur wenig Möglichkeiten zum Verweilen gibt. Die Künstlerin Sarah Morris hat mit ihrem Film Midtown (1998) ein Filmporträt über Manhattan geschaffen, in dem es vor allem um die Verzahnung von Mensch und Architektur geht. Alles scheint in Bewegung zu sein, gelenkt von dem streng geometrisch geordneten Grundriss der Weltstadt. Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts dehnte sich die schnellwachsende Metropole New York noch unkontrolliert auf der Insel Manhattan aus. 1811 legte eine Kommission der Staatsregierung dann den einzigartigen städtebaulichen Entwurf vor, der kurz „the grid“ genannt wurde – visionär und modern, aber auch einförmig und brutal, ohne Rücksicht auf die vorhandene Topografie. 

Sarah Morris hat den Film Midtown an nur einem einzigen Tag in New York gedreht. Es ist der erste in einer Reihe von Stadtporträts, in denen sie die unterschiedlichen Ausprägungen von urbanem Leben in amerikanischen Großstädten auf eine abstrakt-assoziative Art und Weise dokumentiert. „Die Filme begannen mit dem Wunsch, das Flüchtige festzuhalten, all die Momente, welche sich einer statischen Form der Dokumentation entziehen“, erklärt Sarah Morris in einem Interview. 

Bekannt wurde die 1967 in Großbritannien geborene und in New York lebende Künstlerin durch ihre monumentalen Gemälde von streng geometrischen Strukturen in Hochglanzlack, die an die Fassaden von Hochhäusern erinnern. In ihrem Werk, das neben Gemälden, Filmen auch Grafiken und Wandmalereien umfasst, reflektiert sie den Einfluss von Architektur, Design, Mode und Werbung auf das moderne Leben. „Die Filme liefern eine Art Index aller Bilder, die ich je gemacht haben könnte und auch aller Bilder, die noch entstehen könnten“, sagt Sarah Morris: „Sie sind ein konzentriertes Manifest, eine nicht lineare Zusammenfassung dessen, was mich interessiert.“