Jeff Wall

* 1946

Der kanadische Fotograf und Konzeptkünstler Jeff Wall (*1946, Vancouver) wurde durch seine großformatigen farbigen Leuchtkastenbilder bekannt. Die erste erhaltene Arbeit von ihm ist Destroyed Room aus dem Jahr 1978. Damit war er nicht der Erste, der dieses Medium der kommerziellen Außenwerbung in die Kunst einführte. Er gilt jedoch als ein Pionier dieser Gattung, da er in seinen Leuchtkästen die Ästhetik der modernen Konsumkultur mit den klassischen Bildkompositionen aus der Kunstgeschichte verbindet. 

Wall studierte von 1964 bis 1970 Kunstgeschichte in Vancouver und war daneben als Maler und Bildhauer tätig. Von 1970 bis 1973 absolvierte er ein Doktorandenstudium am Courtauld Institute of Arts in London und unterrichtete anschließend als Professor an verschiedenen Universitäten.  Für Fotografie begann er sich 1967 zu interessieren und produzierte als Autodidakt eine Broschüre mit Schwarz-Weiß-Fotografien von Vancouver. 1976 kam er zur Farbfotografie und begann im Jahr darauf farbige Diapositive im Großformat in Aluminiumkästen zu montieren und von hinten zu beleuchten. 

Schauplatz vieler seiner Werke ist sein Geburtsort Vancouver, wo er bis heute noch lebt. Die Stadt an der kanadischen Westküste ist geprägt durch die Spätindustrie und eine multikulturelle Gesellschaft. Künstlerisch bewegt er sich zwischen dokumentarischer Fotografie und kinematografischer Inszenierung. Obwohl seine Bilder sorgfältig komponiert sind und viele kunsthistorische Bezüge aufweisen, vermitteln sie keine feste Bedeutung. Vielmehr betonen sie eine Instabilität und eine zufällige Sinnhaftigkeit, die sich beim Betrachten seiner Werke ergeben. 

1982 nahm er erstmals an der Documenta in Kassel teil. 1984 hatte er Einzelausstellungen in der Kunsthalle Basel und im Institute of Contemporary Arts in London. Es folgten 1993 internationale Ausstellungstourneen durch Luzern, Dublin, Hamburg, Düsseldorf und 1995 mit Stationen in Chikago, Paris Helsinki und London. 2005/2006 widmeten ihm das Schaulager in Basel und die Tate Modern in London sowie 2007 das MoMA in New York große Retrospektiven.

Die Sammlung Goetz, die fünf zentrale Werke von Jeff Wall aus den Jahren 1984-1995 besitzt, präsentierte den Künstler erstmals 1996 in einer Ausstellung zusammen mit Tony Oursler und Matthew Barney.