Cindy Sherman arbeitet in ihren inszenierten Fotografien mit einer Reihe von Werkzeugen, die von Make-up und Kostümen bis hin zu Prothesen und Perücken reichen. In ihren Masken-Bildern, die sie parallel zu ihren Horror- und surrealistisch geprägten Arbeiten produzierte, nutzt sie die Maske nicht nur als Instrument, sondern rückt sie in den Vordergrund.
In Untitled #317 trägt Sherman eine geheimnisvoll wirkende, goldene Halbmaske, die sich nahtlos an die Konturen ihres Gesichts und der golden geschminkten Haut anpasst. Doch etwas stört den friedlichen, wie in Bronze gegossenen Eindruck. Unter der Maske treten rot umrandete Augen hervor und der Mund wurde durch schwarze Schminke zu einem hämischen Lächeln verzerrt.
Sherman, die 1997 selbst in dem Horrorfilm Office Killer Regie führte, ist fasziniert vom Horror-Genre und seiner makabren Ästhetik. Die Maske verschmilzt in zahlreichen Klassikern wie Blutgericht in Texas – besser bekannt als The Texas Chainsaw Massacre – oder dem Schweigen der Lämmer mit der Figur des „Killers“ und ist dabei sowohl Ausdruck der von ihm ausgehenden Gefahr als auch Zeichen der Entfremdung.
Während einige Serien wie die Horror- und Maskenbilder explizit mit Bedrohlichkeit und Gewalt spielen, zieht sich ein unterschwelliges Moment der Gefahr durch Shermans gesamtes Oeuvre. Gemeinsam mit Sherrie Levine und Richard Prince werden sie der Pictures Generation zugerechnet, die in ihren Werken den Aufschwung der Massenmedien kritisch in den Blick nimmt. Dabei spüren sie den Schattenseiten einer farbenfrohen, kommerziellen Bildwelt nach.