© Yael Bartana

The Recorder Player of Sheikh Jarrah

Yael Bartana

  • Jahr 2010
  • Auflage Edition 1/5 (+ 2 a.p.)
  • Material/Technik 1-Kanal-Video (S/w, Ton), 16:9
  • Maße 21'' Monitor
  • Laufzeit 6'
  • Gattung Medienkunst

Eine junge Frau läuft Flöte spielend vor einer Reihe Soldaten auf und ab, die ihr den Weg versperren. Sie gehört zu einer Gruppe Demonstrant*innen, die sich wöchentlich in Jerusalem formiert, um gegen die Vertreibung muslimischer Einwohner*innen durch jüdische Siedler*innen zu protestieren. Zu hören sind zarte Flötenklänge – Fragmente der Internationale, eines der weitverbreitetsten Kampflieder der sozialistischen Arbeiterbewegung, sowie patriotische hebräische Lieder, wie sie häufig bei Gedenkveranstaltungen in Israel gespielt werden. Die Solidaritätsbekundung der jungen Frau ist anrührend, doch die schwer bewaffneten Männer schauen teilnahmslos durch ihre Sonnenbrillen über sie hinweg. Nach einer gefühlten Ewigkeit öffnet sich die Menschenkette der Uniformierten und lässt die Frau passieren. Es erscheint wie ein Wunder und man fühlt sich erinnert an die biblischen Erzählungen von Jericho, wo das Spiel der Posaunen die Stadtmauer zum Einsturz brachte.

Obwohl es sich bei dem Schwarz-Weiß-Video The Recorder Player of Sheikh Jarrah um die filmische Dokumentation einer realen Begebenheit handelt, wird nicht klar, was die Soldaten bewogen hat, die Menschenkette zu öffnen. Die israelische, in Tel Aviv und in Berlin lebende Künstlerin Yael Bartana hat die Szene am Freitag, den 16. Juni 2010 am Rande einer Solidaritätsdemonstration in einem Stadtteil von Ostjerusalem aufgenommen, der hauptsächlich von Arabern bewohnt wird. International bekannt wurde die Multimediakünstlerin durch ihre poetisch-dokumentarischen Arbeiten zu gesellschaftlichen Ritualen in Israel vor dem Hintergrund der ständigen Bedrohung durch Krieg und gewalttätige Auseinandersetzungen. Dabei gelingt es ihr mit einfachen filmischen Techniken, wie Schnitt, Zeitlupe und Trennung der Tonspur vom Film alltägliche Situationen in einen übergeordneten Zusammenhang zu stellen. Angesichts der gesellschaftlichen Entwicklungen hat sie sich in den letzten Jahren mit Themen zu Antisemitismus, Migration und Heimat beschäftigt und dazu beeindruckende Installationen 2011 im polnischen Länderpavillon auf der Biennale in Venedig und 2021 im Jüdischen Museum in Berlin geschaffen.

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